Stromgiganten

Leider wurde doch gebaut

Im Jahr 2014 hofften wir noch, unsere Einwendungen zum Planfeststellungsverfahren würden die Leitungsplanung doch noch grundsätzlich verändern. Leider kam es anders. Der Planfeststellungsbeschluss hat für Tennet das sofortiges Baurecht ermöglicht. Bäume wurden abgeholzt eine unglaubliche Fläche durch Baumaßnahmen versiegelt.

Auch unsere Hoffnungen auf ein Anhörungsverfahren, in dem die Einwender ihre Bedenken hätten vortragen können, wurde von der Regierung von Oberfranken zunichte gemacht. Es waren angeblich zu wenige Einwendungen eingegangen, als dass es als massives Anliegen der Bürger im Landkreis zu bewerten war.

Hatten einige Gemeinden großmundig beteuert, dass sie klagen würden, blieb es auch hier bei leeren Versprechungen. Begründet wurde das mit einer zu geringen Aussicht auf Erfolg. Zudem hätte eine Klage keine aufschiebende Wirkung. Das bedeutet, Tennet könnte trotz Klagen sofort bauen - und bis eine Gerichtsentscheidung vorliegt, hätte Tennet seine Masten schon gesetzt. Ein Rückbau wäre auch dann nicht vorgesehen.

Der brisanteste Teil der Trassenführung ist bei Weißenbrunn vorm Wald. Hier war bis zum Schluss nicht klar, ob die Trasse nahe der Häuser oder über die Reiherkolonie und somit über den Froschgrundsee  führt. Es wurde zugunsten der Menschen und gegen die Tiere entschieden. Freuen kann man sich darüber aber nicht wirklich denn man wird mit verkohlten „Feuervögeln“ rechnen müssen.

Eine weitere Trasse (!) durch das Coburger Land, die sogenannte „P44“ ist nach wie vor aktuell. Sie führt von Schalkau über den Nordwesten unseres Landkreises direkt Richtung Schweinfurt. Betroffene Gemeinden wären wahrscheinlich Katzberg, Emstadt, Lautertal, Meeder und Rodach. Aus Angst vor erneuten Protesten wird über diese Höchstspannungstrasse stets geschwiegen, aber sie wurde nie aus dem Bundesnetzplan von 2012 herausgenommen und ist auch in den aktuellen Trassenplanungen enthalten.

Wenn wir auch die Höchstspannungsleitung „Thüringer Strombrücke“ nicht verhindern konnten, so hat unser 12 Jahre währender Protest doch einiges bewirkt:

Die Bürger reagieren inzwischen viel sensibler auf Trassenplanungen. Das zeigt sich vor allem in den großen Protesten gegen die zwei geplanten Gleichstromleitungen „Süd-Link“ und „ Süd – Ost“.

Auch der Protest gegen den Leitungsneubau, die P44, der den Landkreis Lichtenfels und Coburg betrifft, war mit mehr als 4000 Teilnehmern ein großer Erfolg.

Bürgerinitiativen des Coburger Landes gegen die 380 kV-Leitung

Anette Martin

Bilder: Wolfgang Weiß

Stellungnahme zu P44 bzw. P44 mod. und DC5 / DC6 im Lkr. Coburg aus Naturschutzsicht

Stellungnahme zu P44 bzw. P44 mod. und DC5 / DC6 im Lkr. Coburg aus Naturschutzsicht

Das Naturschutzgroßprojektgebiet des Bundes „GRÜNES BAND – Rodachtal - Lange Berge - Steinachtal“ (Lkr. Coburg, Kronach, Hildburghausen, Sonneberg; Bayern / Thüringen) wird bereits durch die im Bau befindliche 380 kV-Leitung zwischen Landesgrenze Bayern / Thüringen und Redwitz a.d. Rodach aufgrund der Zerschneidung von ökologisch sehr wertvollen, überregional bedeutsamen Lebensräumen deutlich beeinträchtigt.

Im Netzentwicklungsplan 2025, Version 2015 sind nun noch zwei weitere Stromtrassen im Fördergebiet des Naturschutzgroßprojektes zur Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung in Planung:

  • P44 bzw. P44 mod,
  • DC5 / DC6.

Leitziel des Naturschutzgroßprojektes ist der Biotopverbund zahlreicher naturschutzfachlich wertvoller Lebensräume im Bereich des Projektes, wobei dem Grünen Band als „Rückgrat“ eine Vernetzungsfunktion zukommt. Großflächige Wälder, wertvolle Kulturlandschaftsbiotope und Fließgewässer sind über funktional geeignete Trittsteine und Korridore daran angebunden. Hauptzielsetzung ist es, naturnahe Abschnitte des Grünen Bandes im Projektgebiet dauerhaft in ihrer Lebensraum- und Strukturvielfalt zu erhalten und andere Bereiche gezielt zu entwickeln, um den naturschutzfachlichen Wert wiederherzustellen. Weitere Ziele sind der dauerhafte Schutz, die Pflege und die Entwicklung wertvoller, seltener oder bedrohter Waldgesellschaften und Kulturlandschaftsbiotope sowie die Fließgewässerrenaturierung in ausgewählten Abschnitten.

Das FFH-Gebiet 5632-302 „Tal der oberen Itz“ und das NSG „Itztal und Effeldertal bei Weißenbrunn vorm Wald“ sind im Pflege- und Entwicklungsplan des Naturschutzgroßprojektes als „ökologisch sehr wertvoll von überregionaler Bedeutung für den Artenschutz“ eingestuft. Mit ca. 50 ha Wasserfläche ist der „Froschgrundsee“ (Schönstädtspeicher) das größte stehende Gewässer im Projektgebiet und ist damit von besonderer Bedeutung für das Naturschutzgroßprojekt als Rast- und Brutgebiet zahlreicher gefährdeter gewässer- und feuchtgebietsgebundener Arten wie z.B. Schwarzstorch, Graureiher, Silberreiher, Kormoran, Fischadler, sowie diverse Gänse, Enten (z.B. Krickente) und Limikolen.

 

Durch den Bau der ICE-Trasse und der im Bau befindlichen 380 kV-Leitung („Thüringer Strombrücke“) ist bereits eine Verschlechterung dieses NSG's und FFH-Gebiets eingetreten. Durch den Bau von weiteren Hochspannungsleitungen in unmittelbarer Nähe würde nun eine nicht mehr akzeptable weitere Verschlechterung der naturschutzfachlichen Qualität dieses Gebietes eintreten, die auch die bundesweite Bedeutung des Naturschutzgroßprojekts in diesem Bereich in Frage stellen könnte.

Der Bau der 380 kV-Leitung über den Froschgrundsee und Itztal quer zur Hauptzugrichtung hat bereits trotz der Markierung der Erdseile zu einer nicht hinnehmbaren Beeinträchtigung besonders geschützter Vogelarten geführt. Da insbesondere viele Langstreckenzieher nachts fliegen, kommt es zu tödlichen Zusammenstößen mit Freileitungen, die sie - auch trotz der Erdseilmarkierung - im Dunkeln nicht sehen können. Auch bei schlechter Witterung (Nebel) und starkem Wind sind Zusammenstöße mit dem Erdseil unvermeidbar. Bei schlechten Witterungsbedingungen sind auch alle oben genannten Brutvögel und Nahrungsgäste besonders durch Leitungsanflug betroffen. Die Überspannung der Graureiher-Brutkolonie wird zumindest bei jungen, noch flugunerfahrenen Graureihern, zu einer nicht akzeptablen Erhöhung der Mortalität aufgrund von Leitungsanflug führen (Verstoß gegen das Tötungsverbot).

Das NSG „Naturwaldreservat Schwengbrunn“ und das FFH-Gebiet 5631-371 „Muschelkalkzug von den Langen Bergen bis nach Weißenbrunn v. Wald“ im Bereich der Hohe Schwenge wurden im Pflege- und Entwicklungsplan des Naturschutzgroßprojekts ebenfalls als „ökologisch sehr wertvoll von überregionaler Bedeutung für den Artenschutz“ eingestuft. Hier kommt insbesondere der FFH-Lebensraumtyp Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum) (LRT 9130) vor. Naturschutzfachlich bedeutsame Arten sind z.B. Hohltaube, Mittelspecht, Rotmilan, Bechsteinfledermaus, Mausohr und Mopsfledermaus. Durch die Anlage von weiteren Maststandorte und Zufahrtswege ist mit zusätzlichen Beeinträchtigung von wertvollen orchideenreichen Waldmeister-Buchenwald zu rechnen. Auch die an die Rodungsflächen angrenzenden Waldbereiche werden durch Veränderung des Mikroklimas (Licht, Feuchtigkeit) und der Vegetation beeinträchtigt. Das Entwicklungsziel „Erhalt, Entwicklung und Wiederherstellung naturnaher alt- und totholzreicher Wälder“ des Pflege- und Entwicklungsplan für das Naturschutzgroßprojekt wird daher in diesem Kerngebietsteil erheblich beeinträchtigt werden, da nach dem Bau von weiteren Hochspannungsleitungen keine flächige naturnahe Entwicklung eines geschlossenen Waldgebiets mehr möglich wäre.

Durch den geplanten Bau der Gleichstromleitung DC5 / DC6 sind außer den oben genannten Eingriffe massive Eingriffe in SPA- und FFH-Gebiete (Itz-, Rodach- und Baunachaue, Itztal von Coburg bis Baunach, Eierberge bei Banz und Teile des Banzer Waldes) zu befürchten.

Die Errichtung einer weiteren 380 kV-Leitung gleich welcher Form sowie einer Gleichstromleitung durch das Naturschutzgroßprojektgebiet und den Landkreis Coburg wird abgelehnt, da dies mit der Bedeutung des gesamtstaatlich repräsentativen Naturschutzgroßprojekts „Grünes Band Rodachtal – Lange Berge – Steinachtal“ nicht zu vereinbaren ist.