Nach oben

Arten- und Biotopschutzprojekte

„Steinachtal / Linder Ebene“ und „Thanner Grund“

In den Landkreisen Coburg, Kronach, Lichtenfels und Sonneberg wurden zwischen 1998 und 2007 zwei grenzüberschreitende Naturschutzprojekte durchgeführt, an denen der Bund Naturschutz in Bayern und der BUND Thüringen maßgeblich beteiligt waren. Die beiden Arten- und Biotopschutzprojekte (ABSP) „Steinachtal / Linder Ebene“ und „Thanner Grund“ sind zusammen 133 km² groß.

Sie umfassen den Thanner Grund bei Neustadt, das Neustadter Becken mit der Linder Ebene südlich von Sonneberg und das Steinachtal bis Redwitz. Beide ABSP-Projekte wurden vom Bayerischen Naturschutzfonds gefördert. In Bayern beteilig-ten sich am Flächenerwerb der Bund Naturschutz sowie die Landkreise Coburg und Lichtenfels. In Thüringen wurden Flächen im Grünen Band (= ehemaliger Grenzstreifen) mit Fördermitteln des Freistaates Thüringen und der Stiftung Naturschutz Thüringen durch den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Thüringen erworben.

Ziele der beiden Projekte waren die Verbesserung der Bestandssituation gefährdeter Tier- und Pflanzenarten, der Erhalt und die Wiederherstellung natürlicher und naturnaher Lebensräume und die Sicherung des Grünen Bandes als wichtige Biotopverbundachse im Projektgebiet.

Die Steinach, das größte Fließgewässer der Linder Ebene, ist insbesondere im bayerischen Raum ein noch weitgehend naturnaher Fluss wie Nachweise von Eisvogel und Wasseramsel belegen. Der Eisvogel war beispielsweise in den letzten Jahren mit ca. 8 - 12 Brutpaaren an Steinach und Föritz vertreten. Ein weiteres wichtiges Fließgewässer des Projektgebietes ist die Föritz. Hier hat die Grüne Keiljungfer, eine in Thüringen vom Aussterben bedrohte Libellenart, eines ihrer letzten Vorkommen in Thüringen. In den extensiv genutzten oder ungenutzten Teichen sowie in den Sandabbaugebieten des Projektgebietes lebt eine Vielzahl gefährdeter Amphibien- (Kammmolch, Knoblauchkröte, Laubfrosch, Kreuzkröte), Libellen- und Pflanzenarten (z. B. Seerosen).

Steinach, Föritz und Meilschnitz überschwemmen regelmäßig jährlich die angrenzenden ausgedehnten Grünlandflächen, die von bedrohten Arten wie Braunkehlchen, Blaukehlchen, Kiebitz, Rohrweihe, Wachtelkönig, dem Tagfalter mit dem langen Namen „Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling” oder der Sumpfschrecke besiedelt werden. Um diesen Arten noch bessere Lebensbedingungen bieten zu können, wurden in den letzten Jahren im Überschwemmungsgebiet der Steinach, der Föritz und der Meilschnitz Grundstücke gekauft, um z. B. durch die Anlage von Feuchtmulden eine Wiedervernässung und eine kleinräumige Mahd mit unterschiedlichen Mahdzeitpunkten zu erreichen.

Die Anlage der Feuchtmulden wurde über den Landschaftspflegeverband organisiert, der dafür heimische Bauunternehmen und Landwirte einsetzte. Die Wiesen mit ihren Feuchtgebieten wurden an Landwirte verpachtet, die die Grundstücke extensiv nach den Vorgaben des Vertragsnaturschutzprogramms nutzen. Schwieriger zu pflegende Feuchtflächen werden von Landwirten mit Fördermitteln des Landschaftspflegeprogramms gepflegt.

Es wurden jedoch nicht nur Wiesen und vereinzelt Ackerflächen in Überschwemmungsgebieten für Naturschutzzwecke erworben, sondern auch Teiche, Feuchtwälder und ehemalige Sand- und  Kiesgruben. Am Rand dieser Sandgruben und im Grünen Band lebt beispielsweise die in Bayern vom Aussterben bedrohte Heidelerche, die durch Landschaftspflegemaßnahmen gefördert werden soll.

Als Beispiele für den vom BUND Thüringen durchgeführten Flächenerwerb im Grünen Band sind Auwälder an der Steinach, Erlenbruchwälder im Müßholz bei Heubisch oder feuchte Brachflächen bei Mupperg zu nennen, die durch das ABSP-Projekt gesichert und z. T. optimiert werden konnten. Die zusammen 48 ha großen Grundstücke, die bisher im und am Grünen Band im Thüringer Projektgebiet erworben wurden, und die Flurstücke, die von der Bundesrepublik an das Land Thüringen übertragen werden, bilden einen wichtigen Grundstock für den Biotopverbund im Grünen Band.

Jedoch gibt es immer noch „Lücken” im Grünen Band, die noch durch weiteren Flächenerwerb geschlossen werden müssen. Erst dann sind dort ausreichend große zusammenhängende Flächen vorhanden, um durch Entbuschungsmaßnahmen, extensive Beweidung oder Mahd z. B. den Rückgang des seltenen Braunkehlchens, einer typischen Vogelart des Grünen Bandes, zu stoppen. Bisher waren nämlich leider nur relativ kleinflächige Pflegemaßnahmen im Grünen Band möglich (z. B. Anlage von Kleingewässern und Teichen, Entbuschung von Zwergstrauchheiden). Im ABSP-Projektgebiet „Thanner Grund“ konnten in Kemmaten und Thann nicht mehr bewirtschaftete Teiche erworben werden, die anschließend mittels des Landschaftspflegeprogramms wieder instandgesetzt wurden, um z. B. dem bedrohten Kammmolch eine Wiederansiedlung zu ermöglichen.

Gemeinsam mit dem Forstbetrieb Coburg, der Stadt Neustadt und dem Landschafts-pflegeverband wurden außerdem im FFH-Gebiet „Östlicher Mönchrödener Forst” Kleingewässer entschlammt, Teichränder entbuscht, neue Kleingewässer angelegt und Teichdämme repariert, um der FFH-Art
Kammmolch und weiteren Arten zu helfen.

Im Raum Meilschnitz und Wildenheid kaufte der Bund Naturschutz brachgefallene Feuchtwiesen an, die nun wieder extensiv bewirtschaftet werden, um den Bestand des Breitblättrigen Knabenkrautes und der Wiesenknopf- Ameisenbläulinge zu stützen. Da Flächenerwerb und  andschaftspflegemaßnahmen viel Geld kosten, stellt sich natürlich auch die Frage nach dem Erfolg der Maßnahmen.

Im ABSP-Projektgebiet „Steinachtal / Linder Ebene” wurde daher die Besiedlung von 22 neu angelegten Feuchtgebieten durch Pflanzen, Vögel, Amphibien, Weich-tiere, Libellen, Tagfalter, Heuschrecken, Lauf- und Wasserkäfer untersucht.

Dabei fanden Biologen und Geoökologen über 115 Arten der Roten Liste. Darunter befanden sich beispielsweise auch zwei „vom Aussterben bedrohte“ Libellenarten, die an neu angelegten Teichen zu finden waren. Bekanntere Arten dieser neuen Feuchtgebiete sind Kiebitz, Wasserralle, Laubfrosch oder Kammmolch, als auch am artenreichsten erwiesen sich bei den Untersuchungen zwei größere Feuchtgebietsanlagen bei Fürth am Berg und Hassenberg.

Damit wurde eindrucksvoll gezeigt, dass von den durchgeführten Naturschutzmaßnahmen zahlreiche gefährdete Arten profitierten. Ein weiteres Ziel des ABSP-Projektes, die Renaturierung der Fließgewässer, wurde bei der Föritz in Thüringen realisiert. Die Obere Naturschutzbehörde konnte in Zusammenarbeit mit dem Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung einen 2,5 km langen begradigten Abschnitt der Föritz wieder in einen geschwungenen Bachlauf umwandeln. Verrohrungen im Bereich des Grenzstreifens, die Wanderungen von Tierarten behinderten, konnten wieder entfernt werden.

Auf diese Weise soll hochgradig bedrohten Arten wie z. B. Bachmuschel, Fischen und gefährdeten Libellenarten geholfen werden. Auch hier zeigen die durchgeführten Erfolgskontrollen, dass sich die Renaturierung gelohnt hat: die Fischbestände sind stabiler geworden, da nun die Föritz strukturreicher ist und die Fische bessere Laichmöglichkeiten vorfinden.

Stefan Beyer