Gartentipps für Jedermann

von Gärtnerin Petra Simon

Der Frühling ist die Zeit der Erwachens. Erste Blätter und Blüten sprießen und die Tierwelt erwacht zu neuem Leben: Insekten kommen aus dem Winterquartier, Vögel zwitschern wieder und sind auf der Suche nach Nistplätzen.

 

Jeder weiß es inzwischen: die Zahl der Insekten hat drastisch abgenommen. Unsere Welt wird ärmer sein, ohne die vielen krabbelnden und summenden Gesellen. Ganz zu schweigen von dem enormen Nutzen als Bestäuber, Futter für Vögel und andere Tiere und Abfallbeseitiger.Von uns kaum bemerkt und gewürdigt erfüllen die Insekten viele  wichtige Aufgaben. 
Wenn Sie einen Garten haben und  den Insekten helfen wollen dann ist jetzt ein guter Zeitpunkt. Jedem zweiten Deutschen steht laut Statistik ein Garten zur Verfügung. Wenn jeder nur einen kleinen Teil davon der Natur überlässt kommen viele tausend Hektar zusammen und es entsteht ein Netz aus Lebensräumen, mit vielen Trittsteinen verbunden. 
 

Mal ehrlich: Gartenarbeit ist schön, aber manchmal auch unwillkommen. Und gerade da, wo wenig gearbeitet wird entstehen die Orte, an denen Insekten und Co einen Lebensraum finden. 
Schauen Sie sich Ihren Garten an: welchen Teil davon wollen und können Sie mit Freude bearbeiten? Möchten Sie der Natur ein Stück zurück geben und viel Arbeit sparen? 
Egal ob Sie klein anfangen mit ein paar Quadratmetern oder gleich einen größeren Teil der Fläche umgestalten wollen: Jedes Fleckchen ist wichtig und ein Gewinn für die Biologische Vielfalt. Dabei darf man keine Wunder erwarten: zunächst finden sich nur Arten ein die in der näheren Umgebung auch vorkommen. Über einen längeren Zeitraum darf man gespannt sein wie sich die Vielfalt weiter entwickelt. 
 

Artenvielfalt lebt von der Vielfalt an Lebensräumen. Hecken, Stauden, Wiese aber auch Brachflächen oder alte Pflanzenstiele die stehen bleiben und Laub das liegen bleiben darf sind wichtig. Jedes Lebensstadium der Insekten soll seinen Platz  finden damit die Kette der Entwicklung nicht unterbrochen wird. Zum Beispiel braucht ein Schmetterling Blüten als Nahrung für die erwachsenen Tiere, spezielle Futterpflanzen für die Raupen und einen Platz zum Überwintern. 
 

Schauen Sie sich Ihren Garten doch einmal in Ruhe an: Welchen Bereich nutzen Sie wirklich oft, vielleicht täglich? Ein  Sandkasten, eine Sitzgruppe, ein Kräuterbeet sind meistens häufig genutzte Elemente. Spielen Kinder im Garten, die einen Rasen brauchen?
Viele Gärten bestehen aus einem stark genutzten Bereich und einem kaum genutzten Bereich. Letzterer wird mit harten Maßnahmen gebändigt: straff geschnittene Hecken und Sträucher und kurz gemähter Rasen. Meistens macht auch niemand diese Arbeit gerne.
Dort könnten wir mit der Umgestaltung zu mehr  Naturfläche beginnen. 
 

Zunächst machen wir eine Bestandsaufnahme: Was ist schon da das zu unserem insektenfreundlichen Garten passt: Sträucher mit ungefüllten Blüten, die Nahrung bereithalten oder blühende Stauden, vielleicht sogar Wildkräuter. Diese können wir einfach lassen wie sie sind, aber weniger beschneiden , abgeblühte Stiele stehen und welke Blätter liegen lassen. Wenn man den Boden zwischen den Pflanzen lockert gibt man ihnen die Möglichkeit sich auszubreiten. Bis die Lücken geschlossen sind können dort einjährige Sommerblumen blühen. 
 

Vom Rasen zum Blumenbeet:  Auch ohne gleich den Bagger auffahren zu lassen, können wir Stück für Stück aus einer eintönigen Grünfläche einen bunten Blumenteppich entstehen lassen. 
Die dichte Grasnarbe behindert Stauden und Sommerblumen beim Wurzelwachstum. 
Man kann sie mit einem Spaten oder einer Hacke abschälen. Oder man nimmt einfach den Rasenschnitt und  deckt die Grasnarbe dick zu, wo man sie los haben will. Das heißt man mulcht die Fläche. Das geschnittene Gras verrottet und entwickelt starke Wärme, die die Graswurzeln zerstört. Man lässt das Gras noch eine Weile liegen; der Boden darunter wird 
ganz ohne Arbeit  recht weich und kann dann leichter weiterbearbeitet werden.
Nun wird die Erde gelockert, aufdringliche Wurzeln wie die von Quecke oder Giersch gegebenenfalls unbedingt vollständig entfernen. Nun kann man pflanzen oder säen.
 

Unbedeckter Boden zwischen einzelnen Pflanzen kann das ganze Jahr gemulcht werden. Wer regelmäßig den Grasschnitt  verteilt schafft  Nahrung und Schutzraum für Tiere und hält den Boden feuchter. Das gilt auch für den Nutzgarten. Selbst in einem Gemüsebeet kann man so das Angebot für Insekten und Bodenlebewesen verbessern.
 

Nun stellt sich noch die Frage, welche neuen Pflanzen in den Garten einziehen sollen: möchten Sie Sträucher pflanzen, dann bitte darauf achten dass die Größe zum vorhandenen Platzangebot passt. Denn wenn die Sträucher zu oft beschnitten werden leidet meistens auch die Blütenpracht.  Zum Beispiel gibt es viele Wildrosen die nicht zu groß werden, und auch manche Zuchtrose ist bei Insekten beliebt, wie auch  Johannisbeeren und  Himbeeren die uns dazu leckere Früchte liefern.

Mit einer langen Blütezeit erfreuen uns die einjährigen Sommerblumen. Viele insektenfreundliche Mischungen sind im Handel erhältlich.  
Die Liste der ausdauernden Stauden ist lang: sie sollten reichlich Nektar und Pollen bieten.
Eine ausführliche Pflanzenliste und Anbieter von ökologischem Pflanz- und Saatgut finden Sie hier:

www.bund-naturschutz.de/oekologisch-leben/garten/garten-bienenfreundlich-gestalten/pflanzenlisten.html

Der Garten soll seinen Besitzer mit bunten Blüten und grünen Blättern erfreuen. Aber auch Vergänglichkeit und Farblosigkeit gehören zum Kreislauf des Lebens dazu. Aus Vergangenem entsteht neues Leben. Wenn wir in unseren Gärten wieder  diesen Teil der Natur dulden dann sehen wir welkes Laub und braune Stängel mit anderen Augen: nicht als lästiges Abfallprodukt, das beseitigt werden muss sondern als eine Quelle neues Lebens 
 

In diesem Sinne hoffe ich, Sie haben Lust bekommen kleine oder größere Veränderungen in Ihrem Garten in Angriff zu nehmen! Die Natur wird es Ihnen Danken!

Weitere Tipps finden Sie hier:

www.bund-naturschutz.de/oekologisch-leben/garten/garten-bienenfreundlich-gestalten.html

 

Gerne können Sie sich mit Fragen per Mail an mich wenden unter:

Gartenzwergin@posteo.de - Petra Simon (BN-Gärtnerin)