Führungen Muggenbacher Tongruben

Naturschutzgebiet des Bund Naturschutz seit 2000

Wiederholungskartierung der Stichimmen im NSG "Tongruben bei Muggenbach" im Jahr 2012

·         Herausragende Bedeutung für die Hautflüglerfauna bestätigt

 

Bei der Ausweisung der Muggenbacher Tongruben als Naturschutzgebiet im Jahr 2000 spielte die hohe Anzahl gefährdeter Hautflügler eine entscheidende Rolle. Zum Schutz dieser Arten wurden in den letzten Jahren mit Förderung durch das Bayerische Landschaftspflegeprogramm kontinuierlich Rohbodenstandorte geschaffen und Entbuschungsmaßnahmen in den 25,8 Hektar großen Muggenbacher Tongruben, deren Eigentümer der Bund Naturschutz ist, durchgeführt.

Um einen aktuellen Überblick über das Hautflügler-Artenspektrum zu erhalten, führten 2012 der Bund Naturschutz in Bayern und die Ökologische Bildungsstätte Oberfranken mit Förderung durch den Bayerischen Naturschutzfonds (aus Mitteln der Glücksspirale) das Projekt „Wiederholungskartierung der Hautflügler“ durch. Der Vergleich der Hautflügerfauna von Erst- und Folgekartierungen sollte auch wertvolle Hinweise zur Überprüfung des Pflegekonzepts liefern. Beauftragt mit der Kartierung wurde Dr. Klaus Mandery, der schon die Erst- und Folgekartierungen durchführte. Er erfasste nun auch 2012 die Hautflügler durch Handfang und den Einsatz von sogenannten Gelbschalen.

Die Wiederholungskartierung der Hautflügler im Naturschutzgebiet "Tongruben bei Muggenbach" hat den früher festgestellten herausragenden Bestand bestätigt: In den Jahren 1995 bis 2012 wurden insgesamt 380 Hautflügler-Arten aus den Familien Goldwespen, Dolchwespen, Faltenwespen, Wegwespen, Grabwespen und Bienen nachgewiesen. Schon bei der Ersterfassung im Jahr 1995 war die Gesamtzahl von 206 Hautflüglerarten außerordentlich beeindruckend. Durch die ergänzenden Erhebungen in den Jahren 2000 und 2001 konnte die Artenliste mit 116 Arten auf 322 Arten komplettiert werden. Das Erfassungsjahr 2012 (= Dritterfassung) lieferte im Vergleich mit den früheren Erfassungen die meisten Arten (261 Arten). 53 Arten konnten nur bei dieser letzten Erfassung nachgewiesen werden. Das in Teilen veränderte Artenspektrum erklärt einerseits frühere Fehlentwicklungen (z.B. zunehmende Verbuschung bevor die Flächen vom Bund Naturschutz erworben werden konnten) und verdeutlicht andererseits die durch die jahrelange Pflege eingetretenen Verbesserungen.

Nach der aktuellen Roten Liste Bayern (2004) konnten 67 Arten festgestellt werden, darunter vier „vom Aussterben bedrohte“ Bienenarten. Bei der Ersterfassung waren es nach der jetzt gültigen Roten Liste 44 Arten gewesen. Abgesehen von Goldwespen und Wegwespen ist der Anteil der Rote-Liste-Arten bei den untersuchten Hautflügler-Familien von Erfassung zu Erfassung gestiegen (siehe Abb. 5).

Die Anteile von Wirten und Parasiten unter den Bienen sind 2012 etwa ähnlich wie 1995 geblieben. Bei den Grabwespen, die in ihre Nester verschiedene Nahrungstiere eintragen, um ihre Larven damit zu ernähren, konnten 2012 neue Grabwespenarten festgestellt werden, die neue Beutetiergruppen wie Glasflügler, Kleinschmetterlinge, Erz- und Brackwespen nutzen.

Die erstmals 1995 in den Muggenbacher Tongruben gefundene Grabwespe Psen exaratus konnte zuvor noch nicht in Bayern nachgewiesen werden. Außerhalb der Muggenbacher Tongruben ist auch seitdem kein weiterer Fund bekannt geworden! Die Grabwespe, die ihre Nester vermutlich im Sandboden anlegt, konnte 2012 wieder durch zwei Funde bestätigt werden.

Bemerkenswert ist auch die große Blattschneiderbiene Megachile lagopoda, die erst bei der aktuellen Erfassung nachgewiesen werden konnte. Diese in Bayern „vom Aussterben bedrohte“ Art nutzt den Sandboden offener Flächen als Nistplatz.

Als besonders erhaltenswerte Niststrukturen für besonders gefährdete Arten oder Wirt-Parasitoid-Paare sind die sandigen Grubenbereiche zu benennen. Da Bienen zum Teil den Pollen einer einzigen Pflanzenart oder den einer Pflanzenfamilie als Larvennahrung sammeln, ist außerdem der Bestand an diesen Pflanzenarten überlebenswichtig. Die diesbezüglich wichtigsten Pflanzenbestände sind die Bestände an Heidekraut (Calluna vulgaris) und an Weidenarten (Salix spec.).

Die positiven Auswirkungen der ersten Pflegeeinsätze und die Bemühungen in den Folgejahren, die auf dem Pflege- und Entwicklungsplan beruhten, haben zu einer Wiederherstellung der charakteristischen Lebensraumelemente geführt, so dass die Verbesserung der Lebensraumsituation für die Hautflügler offensichtlich ist. Zur Förderung der Hautflüglerbestände ist auch in Zukunft sowohl die Erhaltung der Nistplätze als auch das Angebot an Nahrung von entscheidender Bedeutung.